 Eine
Herbst-Tour zu einer CD, die es noch nicht gibt, die dann auch
noch den Titel "Miracles & Demons" haben wird. Das Album
ist fertig und wartet auf den Startschuss.
Über den Fakt, dass die Platte noch nicht auf dem Markt
ist, reagiert der Saiten-Zauberer genervt. In seinem aktuellen
Set befanden sich bereits einige neue Stücke und einen kündigte
er dem zahlreich erschienen Publikum mit »… from a
CD that will never be released« an. Deutlich war der bissige
Unterton in seiner Stimme zu spüren.
 Dafür
hatte der 'Devilboy' gleich zwei Überraschungen in seinen
CD-Kisten.
Turner setzt seine Official-Bootleg-Serie fort, die
im vergangenen Jahr mit Live
At The Triple Door begann. In der Chronologie der Konzerte
dokumentiert die zweite Platte seinen Auftritt im New Orleans
(Rhede, 2007) und Nummer drei titelt: "Live At The Heritage
Blues Festival October 2008". Aktueller geht es wohl nicht.
Beide Alben werden in Kürze vorgestellt.
Auf dieser Tour destillierte der Amerikaner seinen Blues auf
das Grundgerüst: Nachdem er mit Andy
Nevala und Kenny
Passarelli schon zwei Keyboarder auf der Bühne hatte und
sich im Herbst 2007 den Jazz-orientierten Tastenmann Nevala zur
Seite setzte, war man jetzt in Trio-Besetzung unterwegs.
 Wie
bisher war der Bassist Jimmy Trujillo dabei. Eine feste
Größe im Turner-12-Takter. Als neuer Schlagzeuger
nahm Recard 'Scotty' Rivera hinter den Trommeln und Becken
Platz.
Die Simplifizierung des Blues lag in wenigen Tönen, die
dem Zuschauer unter die Haut gingen und somit den Kreislauf ordentlich
auf Touren brachten. In diesem Metier entpuppte sich Turner wieder
einmal als Könner.
Gewaltige Klangobjekte standen neben den kleinen, aber so intensiven
Membranschwingungen des Verstärker-Lautsprechers.
Seine blaue Fender Stratocaster steht für Bottleneck. Das
Ringfinger-schmückende Metallröhrchen war dieses Mal
aus Glas und Turner zauberte ständig einen bluesigen
Joker aus dem Ärmel, dem selbst so einen gestandenen oft in
sich gekehrtenTrujillo die Augen öffnete.
 In Turners Metagalaxis
werden Zeit- und Tempolimits außer Kraft gesetzt. Seine improvisatorische
Freiheit nahmen sehr viel Raum ein. Für den Konzert-Neuling
ebenso umwerfend, wie für Besucher, die den Protagonisten
nicht das erste Mal erlebten. Ohne Keyboarder förderte Turner Spektakläres
zu Tage. Das verhallende Echo seiner Gitarre benutzt er, um mit
seinen eigenen Sounds zu spielen. Autohypnotisch versetzt er sich
in Trance-artige Zustände und der Beobachter sah nicht wenige
Besucher mit geschlossenen Auge genießen. Der Blues-Erkennungsdienst
wurde vor eine schwere Aufgabe gestellt. Die Fingerabdrücke
mancher Songs waren oftmals nur Beiwerk einer brillanten Spielerei
des erfahrenen Gitarristen: "Dangerous".
Mit einem Lächeln bedankten sich die Anwesenden, wenn Turner das
Buch der Zitate öffnete.
Sein selbstbekennendes "I'm A Man, I'm A Man" stand auf einer Ebene
mit dem neuen "Mr. Blues". Windy City-Rhythmik trifft auf Psycho-Gitarre.
Der Bassist bedient nicht umsonst einen 6-saitigen Tieftöner. Trujillo wurde
zum Rhythmus-Gitarristen und Rivera mauserte sich zum
ultimativen Groove-Mann an Fellen und Becken. Ergänzend war
er ein bestens aufgelegter Backing-Sänger. Sein Drum-Solo
stand unter dem Motto: 'beam me up Scotty'…
 Sollte Eddie jemals
auch nur einen Gedanken daran verschwenden, sein "Privileged Life" aus
der Setlist zu streichen, macht er sich zumindest eine Person zum
Gegner.
Die Ansammlung von Kompositionen für die Konzerte ist im Umbruch.
Ein "Gangster Of Love" wurde überführt und dafür
gab es andere Stücke. Natürlich versäumte man nicht,
aus den Tagebüchern zu
zitieren und die Anwesenden mit bereits erwähntem "Mr. Blues" in
einen Chicagoer Club zu entführen.
Dazu eine Anmerkung am Rande: Dieser neue Song gehört zu den
Finalisten der Independent Music Awards… Ein Link von Turners Homepage
führt direkt zur Abstimmungs-Seite. Der Fan ist gefordert.
Glaubhaft vertrat er die These "I'm A Good Man" und belegte
abermals, dass der Blues einerseits exorbitant rocken konnte, andererseits
immer wieder gut war für einen Hauch von Hendrix' "… Mary".
Mit einem Song fügte er seinem Blues & More ein weiteres
Kapitel hinzu: "Walkin' Blues" war angesagte Rock'n'Roll-Time in
der Weegbrug.
Der Gig war jeden Cent Eintrittsgeld wert und es wurde mit Zins
und Zinseszins zurück gezahlt.
Mit einem Knüller geht diese Tour zuende: Am 30.11.2008
wird Eddie Turner Support für das luxemburger Konzert
von Solomon
Burke sein.
Eddie Turner ist ein Phänomen und getreu dem Titel
der noch nicht erschienen CD kommt es zu übernatürlichen
Konzert-Ereignissen und dass er ein Teufelskerl ist, wurde schon
vielfach unter Beweis gestellt.
Wir bedanken uns bei Willi Zscharnack von Bluestrain
für die problemlose Akkreditierung.
Line-up:
Eddie Turner (guitars, vocals)
Jimmy Trujillo (bass)
Recard 'Scotty' Rivera (drums) |