Nach Live
At The Triple Door und Live
At The New Orleans Rhede 2007 macht der amerikanische Gitarren-Zauberer
mit vorliegendem Album den Dreier komplett.
Aktueller kann ein Konzert-Mitschnitt wohl kaum veröffentlicht
werden, denn die CD lag bereits zur Herbst-Tour
2008 zum Verkauf bereit. Diese Eigenproduktionen haben eine
gesteigerte Nachfrage und entsprechenden Absatz.
Welche Vorteile bietet denn jetzt diese Scheibe?
Einerseits wurde sie im Trio eingespielt. Neckisch bezeichnet Turner seine
beiden Begleitmusiker als die 'Trouble Twins' und meint
damit den Bassisten Jimmy Trujillo sowie Recard 'Scotty'
Rivera an den Drums.
Andererseits gibt es bei den sechs Songs gleich drei, die bisher
auf keinem Studio-Album vertreten sind: "Blues Fall Down Like Rain", "Mr.
Blues" und "My Soul's On Fire".
Immer wieder gerne gehörte Turner-Markenzeichen
sind natürlich auch vorhanden. Ein fast viertelstündiges "Rise",
siebeneinhalb Minuten "So Many Roads" sowie das überlange "Privileged
Life".
Die Nummern sind also nicht aus Pappe und so schraubt sich die
Spielzeit auf genüssliche 56 Minuten hoch.
Eddie Turner in Trio-Begleitung ist schon etwas Besonderes.
Die Intensität seiner Gitarren-Bearbeitung kommt in jedem
Track voll zum Tragen. So kristallisiert sich heraus, was der
Teufelsjunge alles auf der Gitarre veranstaltet und er kann
sich bei seinen instrumentalen Ausflügen auf eine knackige
Rhythmus-Abteilung verlassen. Jimmy Truijllo ist schon
sehr lange sein Stamm-Bassist und auch der Drummer sorgt durch
sein diffenenziertes Trommeln für Freude vor den Boxen.
Eine solche Aussage, wie sie im ersten Track der Platte getroffen
wird, wünscht sich doch jeder Anhänger dieses Genres: "Blues
Fall Down Like Rain". Fast beschwörend singt Turner die
Text-Zeilen und die sich wiederholende Tonfolge aus Gitarre und
Bass haben hypnotischen Charakter. So setzt man eine Titel-Zeile
auch musikalisch um. Bis zu einem Break und was dann auf den Hörer
niederprasselt ist ein Bottleneck-Sturm, für den man allerdings
keinen Schutz braucht. Trujillo als auch Rivera verzaubern
stoisch weiter und Turner meldet nach langem Slide-Ausflug
zurück auf dem Boden des Song-Themas.
Da darf man schon einmal gespannt auf die Studio-Fassung der Komposition
sein. Dazu dürfte wohl feststehen, dass man hier bereits eine
ausführlichere Version hört.
In "Rise" ist Trujillo knapp drei Minuten solo an seinem
fünfseitigen Arbeitsgerät unterwegs und sein Rhythmus-Kumpel
bringt es auf knappe eineinhalb Minuten. Gefühlt ist der Alleingang
länger…
Gegen "Privileged Life" nutzt kein Widerstand. Wenn der Song
nicht in die Beine geht, dann weiß ich es auch nicht. Gegenüber
der "… Triple Door"-Ausgabe ist das Ding um weitere 2 Minuten
gewachsen. Wo stecken die? Ganz klar, Turner kann es nicht
lassen und soliert sich quasi Blasen an die Finger. Eine an Furiosität
fast nicht zu überbietende Einzelleistung, bis er wieder sanft
auf der so eingänigen Tonfolge landet.
"Mr. Blues" ist ein weiterer neuer Track und der beginnt sehr
verhalten. Bass und Drums geben nur ganz wenig Takt vor und dann
erhebt sich dieses Stück 12-Takter erst einmal durch ein tolles
Solo des Gitarristen, der fast ausschließlich am oberen Ende
des Griffbrettes aktiv ist. Zum Teil gehauchter Gesang ohne 6-Saiter.
Es geht ruhig weiter, Turner spielt nur wenige, aber klasse
Licks und immer wieder meint man: Jetzt geht es los! Aber bis zu
diesem Punkt des Ausbruch kommt es nicht und genau deswegen ist
mächtig Spannung im Stück. Es wird immer ruhiger, Rivera sowie Trujillo verabschieden
sich und Turner beendet die Nummer ganz alleine. Ein Prachtstück
an Live-Musik.
Mit "My Soul's On Fire" brennt dann wieder die Hütte, auch
wenn es ein relaxtes Intermezzo darin gibt. Dieser Track ist bester
Blues Rock mit einem nicht zu verachtenden Anteil von dem, was
man in den Siebzigerjahren auch gut gefunden hat.
Rundum ist diese Live-Kost nicht von der Tischkante zu weisen
und erfüllt genauso wie die beiden vorherigen Eigenproduktionen
den Qualitätsstandard eines vortrefflichen Konzert-Einblicks.
Warten wir auf die nächste Europa-Tour.
Line-up:
Eddy Turner (guitars, vocals)
Jimmy Trujillo (bass)
Recard 'Scotty' Rivera (drums, backing vocals) |